PadUcation@RSG meets Cornelsen

Bildschirmfoto 2015-02-09 um 17.17.21Die Geschichte von der Henne und dem Ei, oder:

Wer bewegt sich zuerst? Die Verlage oder die Schulen?

Nach dem Gewinn des Deutschen Lehrerpreises im Dezember 2014 in der Kategorie „Unterricht innovativ“ (Sonderpreis des Cornelsen-Verlags), kamen drei Vertreter der Realschule der Einladung von Herrn Dr. Feldmann (seines Zeichens Vorstandsvorsitzender des Verlags) in die Bundeshauptstadt nach und trafen sich zu einer Diskussionsrunde bezüglich der Zukunft des Mediums Schulbuch.

Nachdem wir den Verlagsvertretern zunächst unser medienpädagogisches iPad-Klassen-Konzept vorgestellt hatten, ging es in der kleinen aber hochkarätig besetzten Runde ziemlich schnell ans Eingemachte – um die Frage nach der zukünftigen Form und Funktion von Schulbüchern.

Zunächst stellten wir den Vertretern des Verlags einige selbst erstellte und im Unterricht erprobte multimediale iBooks vor – verbunden mit der Frage, warum von Verlagsseite noch nichts Vergleichbares auf dem Markt erschienen sei.

Bisher können die Schüler in unseren iPad-Klassen lediglich auf einige wenige Bücher im pdf-Format zurückgreifen – die unterste Stufe digitaler Bücher und angesichts der bereits bestehenden Möglichkeiten eine wenig befriedigende Situation. Die verlagsübergreifende digitale Lösung unter der Plattform Digitale Schulbücher hat sich bisher nach übereinstimmenden Berichten zahlreicher Tablet-Klassen aus dem ganzen Bundesgebiet als nicht sehr benutzerfreundlich gezeigt – sie scheint schlichtweg wenig für den Einsatz auf mobilen Endgeräten wie dem iPad geeignet und läuft insgesamt deutlich zu instabil.

Die verlagseigene Plattform Scook bietet einige interessante Ansätze, ist allerdings im Moment noch nicht in vollem Umfang einsatzfähig und ist auch in erster Linie auf den Einsatz auf Desktop-Computern bzw. Laptops ausgerichtet. Immerhin können hier Lehrkräfte ihr Lehrwerk durch zusätzliche Materialien wie Audio- und Videodateien anreichern und somit ihren Unterricht entsprechend strukturieren. Einen wirklich multimedialen bzw. multi-touch Ansatz bietet bislang allerdings weder die eine noch die andere Lösung.

Spannend wurde die Diskussion, als wir auf iBooks Author zu sprechen kamen. Warum konzipieren die Verlage ihre Schulbücher nicht mit multimedialen Inhalten und veröffentlichen sie  „einfach“ im iBook Store? Technisch kein Problem und auch bezüglich des Copyrights unbedenklich – schließlich liegen die Rechte (zumindest bei den Neuerscheinungen) ja eh beim Verlag. Hier kommt dann allerdings Apple ins Spiel: Nach Aussage von Herrn Dr. Feldmann sind die Forderungen, die Apple an Verlage stellt, die ihre Bücher über den iBook Store vertreiben möchten, schlichtweg inakzeptabel bzw. unrentabel.

Voilà – einer der derzeit schönsten gordischen Knoten in der Bildungslandschaft!

Auf der einen Seite die deutschen Schulbuchverlage, die aufgrund der noch wenig verbreiteten Tablet-Klassen keinen wirklichen Druck verspüren, ihr Angebot an den digitalen Markt anzupassen. Auf der anderen Seite die Schulen, die – verständlicherweise – zögern, sich Tablets anzuschaffen, weil der digitale Content in Form von Schulbüchern fehlt.

Kompliziert? Nun ja, ein wenig… nur kommen an dieser Stelle leider noch zwei weitere Protagonisten ins Spiel, um die Sache wirklich zu verkomplizieren:

Die Ministerien, die – von einigen rühmlichen Ausnahmen abgesehen – sich bislang weigern, echte digitale Schulbücher in ihren Zulassungsverfahren zu berücksichtigen und damit den Verlagen nicht gerade „Feuer unterm Hintern machen“. Und last but not least die angesprochenen Hardware-Hersteller, die mit ihrer Preispolitik und den unrealistischen Vorgaben den Verlagen gegenüber einem sinnvollen Miteinander im Sinne zeitgemäßer Bildung den Garaus machen.

Unterm Strich bleibt die Hoffnung, dass die auch hierzulande immer zahlreicher werdenden Tablet-Schulen einen Weg finden, sich Gehör zu verschaffen und die Erwartungshaltung aufgeschlossener, zukunftsorientierter Eltern die beteiligten Parteien dazu bewegt, eine für alle Seiten akzeptable Lösung zu finden. In anderen Ländern haben digitale, multimediale Schulbücher längst Einzug in die Schulen gehalten. Es ist an der Zeit, dass sich auch in Deutschland diesbezüglich etwas bewegt!

Unser herzlicher Dank gilt an dieser Stelle Herrn Dr. Feldmann für die spontane Einladung nach Berlin und die (sicherlich nicht selbstverständliche) Bereitschaft, sich gemeinsam mit drei weiteren hochrangigen Vertretern des Verlags einen ganzen Tag lang mit uns auszutauschen. Wir würden uns freuen, wenn dieses Treffen in Zukunft mit einer gewissen Regelmäßigkeit stattfinden könnte, um die jeweiligen Bedürfnisse in kleiner Runde auszutauschen.

Bettina Forster, Jennifer Wolfram, Tobias Schnitter

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Theorie, Veranstaltungen veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s